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CD Review: Matthias Kläger: Johann Sebastian Bach - Complete Sonatas for Violin Solo (BWV 1001, 1003

Matthias Kläger: Johann Sebastian Bach - Complete Sonatas for Violin Solo (BWV 1001, 1003, 1005) - Transcription for Guitar. Acustica Records (2011)

Das Solowerk von J. S. Bach ist bekanntlich sehr gut für Gitarre erschlossen. Umso erstaunlicher ist es, dass bis vor kurzem verhältnismäßig wenige Transkriptionen der herausragenden Violinsonaten BWV 1001, 1003 und 1005 auf Schallplatte dokumentiert waren; Wulfin Lieskes Einspielung seiner Transkription der Sonate a-moll BWV 1003 von 1984, Petrit Ceku mit demselben Werk in einer Transkription des Cellisten (!) Walter Despalj (2008) und natürlich Frank Bungarten, der die Sonaten im Jahr 2001 gleich zusammen mit den Partiten BWV 1002, 1004 und 1006 vorgelegt hat, sind - mir bekannte - Ausnahmen (es gibt natürlich einige weitere Beispiele). In den letzten Jahren ist nun allerdings ein regelrechter Schub zu verzeichnen: So haben 2009 Timo Korhonen und 2011 Maximilian Mangold ihre eigenen Transkriptionen der 3 Sonaten eingespielt, und kürzlich erschienen schließlich die Transkriptionen des Freiburger Gitarristen Matthias Kläger.

In Klägers Bearbeitung klingen die Sonaten sehr gitarristisch, ohne dass er sie mit zusätzlichen Stimmen und Stilmitteln überfrachtet. Polyphonie wird in angemessenem Umfang hinzugefügt, um die Stärken der Gitarre auszunutzen und dem Instrument, wie der Künstler im Booklet darlegt, in seinen Besonderheiten gerecht zu werden, so dass die Werke idealerweise wie orginal für Gitarre komponiert klingen. Kläger hat für seine Transkriptionen ausführlich recherchiert. So hat er sich von einigen von Bachs eigenen Bearbeitungen seiner Werke für mehrstimmige Instrumente ebenso inspirieren lassen wie von Robert Hills Transkriptionen für Cembalo, verzichtet aber konsequent auf den Einsatz von Ausdrucksmitteln, die etwa für das Cembalo typisch, aber für die Gitarre eher fraglich sind (wie z.B. überreiche Verzierungen). Kläger nähert sich dem ursprünglichen Notentext respektvoll, ergänzt zusätzliche Stimmen dort, wo sie - v.a. aus historisch-informierter Sicht - sinnvoll die Solostimme abrunden, die musikalische Struktur stützen und die im Original nachvollziehbare implizite Polyphonie explizit machen. Keinesfalls erliegt er der Gefahr eines Zuviels nur um des gitarristischen Effekt willen.

Der Repertoirewert dieser Aufnahmen ist hoch. Die Sonaten sind überragende Kompositionen und ihre Darbietung auf der Gitarre überaus reizvoll. Matthias Kläger vermittelt in seinem Spiel, neben der gebotenen Seriösität, auch Elan und Begeisterung, so dass die Aufmerksamkeit des Zuhörers hoch bleibt und es eine Freude ist, sich von dem Künstler durch die von Sonate zu Sonate zunehmende Komplexität - insbesondere der Fugen - führen zu lassen.

Die Qualität der Aufnahme, die in  Jan Zaceks 'Klangscheune' in der Nähe Schaffhausen enstanden ist, ist eindrucksvoll. Der Höreindruck ist sehr direkt und lebendig, einschließlich gelegentlicher Atem- und Bewegungsgeräusche, so dass man sich wie in einem kleinen Konzertsaal fühlt. Der Klang der Gitarre, 1999 gebaut von Sebastian Stenzel, wird in allen Registern sehr authentisch eingefangen (ich hatte das Vergnügen des Hörvergleichs zwischen Konzert und Plattenaufnahme im Abstand von nur wenigen Stunden), mit dem nötigen Raum und einem sehr angenehmen - d.h. natürlichen - Hallanteil. Interessant für Spezialisten ist, dass das Booklet Details zu Aufnahmegeräten und zum Aufnahmeverfahren einschließlich Mikrophonpositionen angibt.

Sehr empfehlenswert.

12.1.12 18:32
 


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